USA ermöglichten IS-Kämpfern Flucht aus Rakka





LONDON. Ein geheimes Abkommen hat mehreren hundert Kämpfern des Islamischen Staats (IS) die Flucht aus der syrischen Stadt Rakka ermöglicht. Der Deal sei von einigen lokalen Verbündeten der USA geschlossen worden, berichtete der britische Sender BBC am Montag. Washington sei über das Vorgehen informiert gewesen.

Die Dschihadisten wären demnach in einem acht Kilometer langen Buskonvoi aus der Stadt geflohen. So hätten sich rund 250 zum Teil ranghohe IS-Vertreter mit Waffen, Munition und ihren Familienangehörigen in Sicherheit bringen können.

„Wir wollten eigentlich nicht, daß jemand entkommt“, zitiert die BBC den Sprecher der US-Koalition, Ryan Diller. Hier sei es aber um ein Grundprinzip der Strategie in dem Kampf gegen den IS gegangen. Um weiteres Blutvergießen zu verhindern, hätte sich die Koalition dem Wunsch ihrer Verbündeten gebeugt und nicht eingegriffen.

IS-Kämpfer setzen sich in die Türkei ab

Dem Bericht zufolge gelangten viele Extremisten in den Osten Syriens, andere setzten sich über die nahe Grenze in die Türkei ab. Menschenschmuggler hätten an der syrisch-kurdischen Grenze von einer merklichen Zunahme von Fluchtwilligen aus Rakka berichtet. Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim (AKP) sprach von einer „Schande“ und warnte, der Abzug der Kämpfer lasse neue IS-Anschläge in der Türkei und im Westen wahrscheinlicher werden.

Rakka, eine Hochburg des Islamischen Staats, war im Oktober nach langen Kämpfen von den Syrischen Demokratischen Streitkräften (SDF) eingenommen worden. Die SDF ist ein Rebellenverband unter Führung der syrischen Kurden, der von den USA unterstützt wird.

Rußland wirft USA Kooperation mit dem IS vor

Ähnliche Vorwürfe machte am Dienstag auch das russische Verteidigungsministerium. So sei bei der Befreiung der syrischen Stadt Abu Kamal eine direkte Kooperation der USA mit der Terrormiliz IS nachweisbar. Demnach habe die amerikanische Luftwaffe russische Luftstreitkräfte daran gehindert, die aus der letzten IS-Hochburg Abu Kemal flüchtenden Terroristen anzugreifen.

Dabei hätten sich die US-Militärs auf das Genfer Abkommen berufen, das den Status von Kriegsgefangenen und Kombattanten regelt. Die Milizen hätten sich nach US-Angaben „freiwillig ergeben“, und seien deshalb wie Kriegsgefangene zu behandeln. Einen Beweis für die Vorwürfe legte das russische Ministerium nicht vor. (ha)


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